Bereits im Hochmittelalter lebten jüdische Familien in Hameln, die Gründung der Synagogengemeinde wurde 1832 vollzogen. Bis 1902/05 wuchs die Anzahl der Mitglieder mit 237 auf ihren höchsten Stand und ging in den Folgejahren wieder leicht zurück. Ein stärkerer Rückgang ist in den 1920er Jahren zu verzeichnen; 1933 gehörten der Gemeinde 136 Mitglieder an, im Jahre 1935 waren es 86 und 1939 noch 44 Mitglieder.
Die Berufe der jüdischen Bürger Hamelns variierten nicht sehr. Es gab zwar Ärzte, Juristen, Fabrikanten, einen Landarbeiter, auch erlernten junge Frauen zunehmend außerhäusliche Berufe wie Sekretärin oder Studienrätin, die meisten jedoch blieben den traditionellen Handelsberufen verhaftet. Vor allem in der Bekleidungsbranche und im Viehhandel waren Juden in Hameln häufig vertreten. Die soziale Bandbreite war sehr weit gespannt: 12 von 49 Einkommensteuerpflichtigen im Jahre 1927 zahlten 0,- bis 100,-RM Einkommensteuer, 10 zahlten über 1000,-RM, darunter der Fabrikant Iwan Steinberg, der mit 9888,-RM das höchste Steueraufkommen dieses Jahres hatte. Dass die Hamelner Jüdische Gemeinde tatsächlich noch zu den prosperierendsten in der Provinz Hannover gehörte, zeigen die Beiträge für die Landesrabbinatskasse, die über lange Zeit hinweg der zweithöchste Anteil nach der hannoverschen Gemeinde waren.
Der rapide Rückgang der Beitragszahlungen wie auch der Steuerleistung insgesamt belegt den Verfall der Gemeinde nach der Machtergreifung 1933. Besonders gravierend war der Einbruch zwischen 1934 und 1935: Vor allem die Zahlungskräftigen gingen ins Ausland. Zurück blieben zumeist ältere Menschen, die sich den Strapazen und der Ungewissheit einer Auswanderung nicht gewachsen fühlten, Personen, denen durch unglückliche Umstände oder fehlendes Geld die Auswanderung verwehrt war oder solche, die den Charakter der NS-Judenpolitik nicht wahrhaben wollten.
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