Auswanderung, Zwangseinweisung, Vertreibung, Deportation - Chronologie der Repression
Nach wirtschaftlicher Ausschaltung und gesellschaftlicher Ausgrenzung sahen sich die jüdischen Bürger, die aus emotionalen Gründen nicht gehen wollten, aus finanziellen nicht konnten oder wo es die sich häufig ändernde politische Lage in Deutschland bzw. dem Einwanderungsland nicht zuließ, ab 1939 mit einem umfangreichen Repressionsinstrumentarium konfrontiert. Wohnungskündigungen, Zwangseinweisungen in 'Judenhäuser' prägten das Leben der Zurückgebliebenen in der Übergangszeit bis 1942. Im März 1942 begann der Abtransport der verbliebenen jüdischen Bürger Hamelns nach Osten, zunächst in die Gettos und KZs, dann in die Vernichtungslager.
Die Einzelschicksale in der kleinen, überschaubaren jüdischen Gemeinde Hameln sind beispielhaft für die der Juden in Deutschland insgesamt. Schon 1933 gab es erste Opfer und wenige wählten schon früh den Weg der Auswanderung ins sichere Exil. Andere fanden vorübergehend scheinbare Sicherheit im Ausland. Die Zurückgebliebenen erwartete die systematische, perfekt organisierte Vernichtung. Bis zum letzen Moment plünderten die Verwaltung und Bürger Hamelns die Opfer aus und entwickelten dabei ein großes Potential an Findigkeit und Fantasie.
Die ausgewählten Lebensläufe jüdischer Bürger Hamelns sollen einen Eindruck ihres unsicheren Lebens zwischen Hoffen und Bangen von 1933 bis 1938 und 1938 bis 1942 vermitteln. Sie verdeutlichen auch Anteil, Ausmaß und Grad der Verwicklung von Verwaltungs- und Finanzbehörden bei der systematischen Vertreibung und Ausplünderung der jüdischen Bürger Hamelns.