In der Veröffentlichungsreihe der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen sind seit Mitte 2007 erschienen::
Bd. 236:
Peter Przybilla: Die Edelherren von Meinersen. Genealogie, Herrschaft und Besitz von 12. bis zum 14. Jahrhundert, aus dem Nachlaß herausgegeben von Uwe Ohainski und Gerhard Streich, Hannover 2007, 727 Seiten, 1 Karte im Anhang.
Die Edelherren von Meinersen waren eine der bedeutendsten und einflussreichsten Familien des 12. bis 14. Jahrhunderts im nördlichen Harzvorland. In der quellenbasierten Darstellung des im Jahre 2001 verstorbenen Peter Przybilla wird dies an Hand mehrerer miteinander verbundener Themenkomplexe minutiös rekonstruiert: die Genealogie jeder einzelnen Generation; die weitgespannten hochadligen Heiratsverbildungen; die politischen Interaktionen mit den weltlichen und kirchlichen Großen der Region; die erreichten kirchlichen Würden; die ausgedehnten Besitz- und Herrschaftsrechte. Anschaulich wird auch dargestellt, wie die Familie, trotz frühzeitiger Arrondierung der umfangreichen kirchlichen und weltlichen Rechte sowie von Grund und Boden, mit ihren Bemühungen scheiterte, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet aufzubauen.
Eine besondere Rolle spielt in diesem Werk die Auswertung des spektakulär frühen Lehnregisters der Edelherren aus den 1220er Jahren, das als Dokument der Erfassung und Verwaltung des Lehnbesitzes einer Edelherrenfamilie mit dieser Zeitstellung für Norddeutschland eine Spitzenstellung einnimmt. Die näheren Umstände des Erlöschens des Geschlechts der von Meinersen, das immer noch über große Besitzungen verfügte, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bildet den zeitlichen Endpunkt der mit zahlreichen instruktiven Karten versehenen Abhandlung.
Bd. 237:
Ulrich Schnakenberg: Democracy-building. Britische Einwirkungen auf die Entstehung der Verfassungen Nordwestdeutschlands 1945-1952, Hannover 2007, 296 Seiten.
Was tun mit dem besiegten Hitler-Deutschland? Unter den britischen Eliten bestand nicht erst seit Mai 1945 Konsens darüber, dass das besiegte "Nazi Germany" möglichst rasch nach Einstellung der Kampfhandlungen in das europäische System (re-)integriert werden musste. Die eigenen Sicherheitsinteressen konnten nach Ansicht Londons nur dann dauerhaft garantiert werden, wenn Deutschland von Grund auf demokratisiert würde. Die Besatzungsmacht hatte daher nicht die Absicht, den politischen Neuaufbau allein der deutschen Bevölkerung zu überlassen.
Ulrich Schnakenbergs Studie zeigt, wie die für die Länderebene konzipierten Verfassungen Nordwestdeutschlands in den Jahren 1945 bis 1952 von der britischen Militärregierung initiiert, beeinflusst und kritisch-konstruktiv begleitet wurden. Fazit: Die Bedeutung der britischen Verfassungspolitik für die Bildung der deutschen Demokratie ist größer, als bislang vermutet, und muss sich keineswegs hinter dem prominenteren amerikanischen Beispiel verstecken.
Bd. 238:
Soziale Praxis des Kredits 16. - 20. Jahrhundert, hrsg. v. Jürgen Schlumbohm, Hannover 2007, 200 Seiten.
Kreditbeziehungen haben schon in der Frühen Neuzeit die ganze Gesellschaft durchzogen: jeder war potentieller Schuldner und Gläubiger. Die Fallstudien dieses Bandes untersuchen die sozialen Praktiken des kredits und seine kulturelle Bedeutung. So ergibt sich ein anschauliches Bild von den Konflikten, die aus Schulden hervorgehen konnten, und von den Risiken, die mit Krediten verbunden waren. Ebenso deutlich wird der soziale Sinn und Nutzen von Kredit, der oft weit über das Ökonomische hinausging.
Die Aufsätze dieses Bandes reichen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Sie behandeln die Strategien von Bauern, Handwerkern und Arbeitern, aber auch von Beamten und Adeligen, von Christen ebenso wie von Juden. Lokale Fallstudien werden ergänzt durch einen Überblick über den Stand der internationalen Forschung.
Bd. 239:
Gudrun Husmeier: Geschichtliches Ortsverzeichnis für Schaumburg (= Schaumburger Studien, Bd. 68), Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2008, 742 Seiten.
Das Geschichtliche Ortsverzeichnis ist ein alphabetisches Nachschlagewerk zur Geschichte aller Siedlungen des heutigen Landkreises Schaumburg und seiner Vorgängerterritorien: der alten Grafschaft Schaumburg (bis 1647) ebenso wie (nach der Teilung von 1647) der Grafschaft Schaumburg-Lippe und der hessischen Grafschaft Schaumburg.
In systematischer Ordnung werden die Daten und Fakten zu den bestehenden und zu den eingegangenen Siedlungen erfasst: von der Namensform und der ersten nennung über die rechtlichen Verhältnisse und die Verwaltungszugehörigkeit bis zur Wirtschaft und Statistik. Damit eröffnet sich die Chance, Schaumburg auf Ortsebene flächendeckend nach bestimmten sachlichen Kriterien zu untersuchen.
Bd. 240:
Urkundenbuch der Stadt Braunschweig, Bd. 8: 1388-1400 samt Nachträgen, bearb. v. Josef Dolle, 2 Teile, Hannover 2008, insgesamt 1843 Seiten.
Der stattliche Band umfasst 1530 Urkunden aus den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts und liefert 59 neuentdeckte Urkunden ab ca. 1200 als Nachträge zu früheren Bänden des Urkundenbuchs. Das hier präsentierte Quellenmaterial entstammt überwiegend dem Stadtarchiv Braunschweig. Hier wurden neben den Urkundenbeständen die in Frage kommenden mittelalterlichen Stadtbücher sowie die gelehrten Sammlungen durchgesehen. Umfassende Orts-, Personen- und Sachindices runden den Band ab.
Bd. 241:
Urkundenbuch des Klosters Walkenried, Bd. 2: Von 1301 bis 1500, bearb. v. Josef Dolle unter Benutzung von Vorarbeiten von Walter Baumann (= Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Landesgeschichte, Bd. 45), Hannover 2008, 851 Seiten.
Der zweite Band des Urkundenbuchs zur Geschichte des Zisterzienserklosters Walkenried schließt unmittelbar an den im Jahr 2002 erschienenen ersten Band an und umfasst 740 Urkunden dieses für die Geschichte des Zisterzienserordens bedeutsamen Klosters aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Der Band wird durch Indices der Personen- und Ortsnamen sowie ausgewählter Sachen und Wörter eingehend erschlossen.
Bd. 242:
Thomas Klapheck: Der heilige Ansgar und die karolingische Nordmission, Hannover 2008, 217 Seiten.
Der heilige Ansgar, geboren um 801, gestorben 865, gehört als Mönch in Corvey (seit 823), als erster Bischof Hamburgs (seit 831, seit 848 mit Sitz in Bremen) und als Erzbischof von Hamburg-Bremen (seit 864) zu den großen Gestalten der Christianisierungszeit im frühmittelalterlichen Sachsen. Er tat sich als Missionar in Dänemark und Schweden ebenso hervor wie als Prediger und Organisator des Christentums im südlichen Nordseeküstengebiet und dessen Hinterland. Ansgars Missionsarbeit war der Beginn eines planmäßigen Ausgreifens der karolingischen Mission über die nördlichen Grenzen des fränkischen Reiches hinaus. Seine Tätigkeit leitete einen Prozeß der Christianisierung Nordeuropas ein, in dessen Verlauf Skandinavien in die europäische Kulturentwicklung einbezogen wurde.
In seiner Studie revidiert Thomas Klapheck das einseitige Bild Ansgars als "Apostel des Nordens". Nicht die persönliche Missionsarbeit, so der Autor, stellt die eigentliche Lebensleistung Ansgars dar, sondern sein Wirken für die Schaffung eines eigenständigen Bistums Hamburg-Bremen. Diese Neubewertung steht im Zusammenhang mit der jahrzehntelang in der Forschung heftig diskutierten Frage, ob ein Hamburger Erzbistum in den dreißiger Jahren des 9. Jahrhunderts zur Missionierung des Nordens gegründet worden sei.
Klapheck kommt zu dem Schluß, daß das Hamburger Erzbistum eine Fiktion war, die Ansgars Anspruch auf ein unabhängiges Bremer Bistum zu stützen bestimmt war. Der heilige Ansgar, wiewohl zutiefst der christlichen Missionsarbeit verpflichtet, zeigte sich dabei als geschickter Machtpolitiker und Diplomat.
Neben der geschichtlichen Rolle beleuchtet der Autor die Persönlichkeit Ansgars, zeigt die Spannungen und Konflikte eines Lebens zwischen den zeittypischen Idealen monastischer Weltflucht und dem Wirken als Bischof in der karolingischen Reichspolitik.
Weitere Informationen gibt der Katalog und die Internetpräsentation des Verlags Hahnsche Buchhandlung (Hannover).
Niedersachsen Portal